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Haflinger Momo, der seiner Besitzerin, die lacht, mit den Lippen an der Backe berührt.

Momo – 14 Jahre Herzenspferd

(enthält werbende Inhalte)

Steffi und Momo – 14 Jahre und ein langer Weg zum Herzenspferd: ein Interview

Seit über vierzehn Jahre sind Steffi und ihre Haflingerstute Momo zusammen. Bis es zu einer Partnerschaft, zu einer tiefen Freundschaft zwischen Mensch und Pferd kam, waren einige Hürden, Stolpersteine und Irrwege zu meistern.

Steffi hat mir über ihren Weg erzählt und viele Fragen beantwortet. In manchen Dingen findet man sich vielleicht auch selbst wieder oder hat ähnliche Erfahrungen gemacht.

Liebe Steffi, wie und wann begann dein Weg mit Pferden?

Meinen ersten richtigen Kontakt zu Pferden hatte ich mit elf Jahren auf einer Kur beim Ponyreiten. Danach habe ich meine Mutter ein Jahr lang genervt, bis ich endlich reiten lernen durfte.

Ursprünglich schlug mein Herz für die Araber. Erst durch meine Reitbeteiligung habe ich Haflinger kennen und lieben gelernt. Von daher habe ich bei der Suche nach einem eigenen Pferd nach einem Haflinger Ausschau gehalten.

Eigentlich sollte es ein Wallach werden, doch wie es oft kommt, suchen sich Pferde ihre Menschen …

Warum ich mich für Momo entschieden habe.

Das erste Mal habe ich Momo bei ihrem Züchter gesehen. Doch damals hatte ich (noch) kein Interesse an ihr. Ich wollte Momo nicht, weil sie eine Stute war, farblich zu dunkel und ihre Blesse war optisch auch nicht meins. Das war damals wirklich oberflächlich gedacht.

Nach dieser ersten Begegnung hatte ich mir dort einen Wallach ausgesucht. Als ich ihn mir einige Zeit später noch einmal angesehen habe, kam es zu dem Moment, der mir die Entscheidung abgenommen hat.

Der Züchter hatte Momo an diesem Tag gewaschen und in einer Laufbox angebunden. Im Nachhinein glaube ich, dass er (und vielleicht auch das Schicksal) uns noch eine zweite Chance geben wollte.

Als ich Momo dieses Mal gesehen habe, war ich von ihren großen dunklen Augen gefesselt. Der Züchter hat sie losgebunden und laufen lassen: Sie schwebte förmlich dahin, war sportlich schlank und elegant. Da wusste ich plötzlich: Sie und kein anderes Pferd!

Wie würdest du Momos Charakter beschreiben?

Momo ist eine sensible und relativ selbstbewusste Stute mit einem liebevollen, sanften Charakter. Sie weiß genau, was sie möchte. Typisch Haflinger stellt sie schon mal ein oder anderen Unfug im Stall an. Sie ist eine »kleine Ulknudel«, die mich immer wieder zum Lachen bringt. Wenn ich auf ihr sitze, ist sie sehr vorsichtig und passt auf mich auf.

Was ist dir bei der Pferdehaltung wichtig?

Momos Einzug verlief nicht wie geplant. Ich hatte leider einen winzigen Offenstall ausgesucht und Momo wurde von zwei Warmblütern durch den Zaun gejagt. Also hatte sie – wie mir irgendwann klar wurde – von der Haltung her viel Stress.

Anschließend kam Momo in eine Box. Für mich damals ein tolles Bild, weil die Pferde meiner Vorbilder ja auch in Boxen standen …

Irgendwann kam dann der Umzug in den nächsten Stall, in einen großen Offenstall.

Mittlerweile habe ich hinsichtlich einer pferdegerechten Haltung vieles dazu gelernt. Wichtig sind für mich ein Offenstall, am besten mit Paddocktrail. Die Flächen sollten zumindest um die Raufen befestigt sein und Matschstellen so wenig wie möglich (manchmal unvermeidbar, weil die Bodenbeschaffenheit sich nicht ändern lässt und eine Befestigung beispielsweise bei gepachteten Flächen nicht erlaubt ist). Dazu braucht es einen großen Unterstand mit trockener Liegefläche, ebenso genügend Fressplätze und große Koppeln. Außerdem sollte auf eine entspannte, harmonische Herdenkonstellation geachtet werden, um kleinere Streitereien möglichst gering zu halten. Pferde können sich nun mal nicht aussuchen mit wem sie zusammenstehen.

Welche Probleme gab es in der Anfangszeit?

In der Anfangszeit hatte ich keinen wirklichen Plan. Nur meine Vorstellungen, die von der Wirklichkeit weit entfernt waren. Mein Wunsch und Ziel war es immer richtig Freiarbeit mit ihr zu machen. Ich wollte mit ihr irgendwann Turniere gehen, sie sollte ein „Influencer-Pferd“ werden. Schick angezogen sollte sie mir blind Vertrauen und frei mit mir arbeiten, damit ich es als Videos posten konnte. Mein Traum war frei mit ihr übers Feld zu galoppieren.

Das hat natürlich nicht funktioniert. Mit Bodenarbeit nach Gefühl und Wissen aus dem Internet habe ich vieles falsch gemacht. Gerade in unserer Anfangszeit hatten wir noch keine Verbindung und sie fing an, sich beim Longieren loszureißen. Im Sommer wurde es noch schlimmer. Sie ließ sich nicht mehr von der Sommerkoppel holen, hat sich dort losgerissen, ist gestiegen und hat nach mir ausgeschlagen. Ich war frustriert, wütend und bekam Angst vor ihr. Meine Reaktion war Schläge, was mir im Nachhinein sehr leidtut und ich gerne rückgängig machen würde.

Weitere Probleme gab es beim Einreiten, beim Führen, beim Spazierengehen (nur mit Hengstkette) und an Freiarbeit war überhaupt nicht zu denken. Manchmal lief es besser, dann war ich frustriert, weil sie nicht so funktionierte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich habe viele Fehler gemacht, an ihr herumgezerrt, die Gerte eingesetzt, ausgebunden geritten, … Die Folge davon war, dass sie abstumpfte. Sie hat mitgearbeitet, aber lustlos, mit leerem Blick ohne jede Motivation.

Ja, wir hatten auch schöne Momente, aber alles in allem war es frustrierend und traurig.

Welche Methode bei der Arbeit mit Pferden hat dir geholfen?

Durch eine Reitbeteiligung kam ich zur Arbeit nach Parelli und habe Unterricht bei einer Trainerin genommen. Das hat nur teilweise funktioniert. Die Problematik des Losreißens konnte ich damit nicht in Griff bekommen. Wenn der Druck zu groß wurde, war Momo weg.

Ich habe dann noch ein paar andere Ansätze von Pferdetraining ausprobiert, bis ich schließlich über einen Internetblog auf das »Clickertraining« gestoßen bin.

Was ich dort gelesen habe, kam mir logisch vor. Das Buch »Clickerfitte Pferde« von Vivian Theby habe ich Schritt für Schritt umgesetzt und mich zusätzlich mit Gleichgesinnten und Hilfe von erfahrenen Trainern mit dieser Art der Pferdearbeit beschäftigt.

Clickern – das ist unser Weg!

In einem nahezu magischen Moment hat mir Momo gezeigt, dass Clickern unser Weg ist. Ich bin in der Bodenarbeit etwas schneller neben ihr gegangen und sie trabte an. Ohne treiben mit der Peitsche, ohne ziehen, ohne schnalzen. Momo ist aus Motivation, aus echter Freude angetrabt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich komplett umgedacht. Plötzlich konnte ich frei mit ihr arbeiten, unsere Beziehung wurde inniger und die Kommunikation ist seitdem auf Augenhöhe.

Dank der positiven Verstärkung und meinem Umdenken sind Momo und ich immer mehr zusammengewachsen. Das erste Mal, als sie auf der Koppel auf mich zu kam war ein ganz besonderer Moment und die Bestätigung für mich, auf einem guten Weg zu sein.

Über die Jahre haben wir eine fast magische Bindung aufgebaut. Wir verstehen uns ohne Worte. Oft weiß Momo, was ich von ihr möchte, noch bevor ich es ihr zeige. Ich kenne ihre Eigenheiten, ihre Zeiten, an denen sie am motiviertesten ist und ich merke genau, wenn es ihr nicht gut geht.

Aus einem durch Druck und unfairer Behandlung stumpfen, hilflosen Pony und mir ist eine leise Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Mensch und Pferd geworden. Es war ein langer Weg voller Zweifel und Rückschlägen, doch je mehr ich Momo zugehört habe und je mehr ich gelernt habe sie zu verstehen, desto mehr sind wir zusammengewachsen. Sie hat gelernt, dass ich ihr endlich zuhöre und mir ihr Vertrauen geschenkt.

Was hat sich bei dir durch Momo verändert?

Momo hat mich unglaublich verändert. Momo und das Clickern. Dank Momo und den Kontakt zu anderen Reitern bin ich offener und selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt zu meinen Ansichten zu stehen und sie zu vertreten. Mich nicht zu viel von außen beeinflussen zu lassen.

Momo mir auch beigebracht meinen Frust zu kontrollieren. Schlicht und einfach, dass sie nicht mehr mitgearbeitet oder sich losgerissen hat. Dadurch habe ich gelernt geduldiger zu sein. Es ruhig angehen zu lassen und zu hinterfragen, warum Momo eine Aufgabe nicht umsetzen kann.

Möchtest du uns etwas über deine Fehler erzählen?

Fehler habe ich viele gemacht. Ich war zu unerfahren, um mir ein knapp vierjähriges, rohes Pferd zu kaufen. Ich habe sie zu wenig gymnastiziert. Ich habe Ausbinder genutzt und sie an der Trense longiert. Ich habe zu schnell zu viel von ihr verlangt und ich habe zu viel Druck verwendet. Auch in der Fütterung habe ich viele Fehler gemacht und zweimal den falschen Stall gewählt, weil ich meinen eigenen Bedürfnissen einen zu hohen Stellenwert gegeben habe.

Leider hat Momo durch meine Fehler bei der Fütterung und ihrem daraus resultierenden Übergewicht EMS, eine Stoffwechselerkrankung, entwickelt. Die Fütterung habe ich umgestellt und ein »Abnehmprogramm« ausgearbeitet. Für ihren empfindlichen Magen bekommt sie Kräuter.

Was ist dir im Zusammensein mit Momo wichtig und welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Reiten ist mir im Laufe der Jahre immer unwichtiger geworden und ich achte darauf, ob es für Momo in Ordnung ist. Viel Freude bereitet uns Bodenarbeit mit kleinen Kunststücken, die wir uns gemeinsam erarbeiten.

Außerdem baue ich Pausentage ein. Wenn es mir nicht gut geht, wenn Momo lustlos und müde wirkt oder gerade auf die Koppel gekommen ist. Dann fokussiere ich mich auf Massagen, putzen und kraulen als Beziehungspflege. (Manchmal habe ich dann ein schlechtes Gewissen, weil im Hinterkopf immer Momos Übergewicht ist und sie eigentlich Bewegung bräuchte.)

Für die Zukunft wünsche mir, dass Momo noch lange fit und fröhlich bleibt und wir viel Spaß zusammen haben. Dass ich mit ihr ohne Angst ins Gelände gehen, erst mal Spazieren und vielleicht irgendwann auch Ausreiten.

Ich genieße einfach jeden Tag mit ihr und bin dankbar, dieses wundervolle Pony an meiner Seite zu haben.

Gibt es noch abschließende Gedanken, die du mitteilen möchtest?

Ja, ich möchte von einer Situation erzählen, die prägend für meinen Wandel war.

»Es war zu der Zeit, als ich bereits geclickert und umgedacht hatte, aber noch Unterricht bei meiner Reitlehrerin genommen habe. (Hilfsmittel wie Halsverlängerer hatte ich schon entsorgt.)

In einer Reitstunde sollten wir galoppieren, was für Momo nicht möglich war. Sie hatte einfach keine Kraft und keine Balance dafür. Die Reitlehrerin hat mich angebrüllt, ich soll nur mal richtig draufhauen, dann läuft sie schon.

Ich habe es nicht gemacht. Ich konnte nicht. Ich wusste mittlerweile, was ich Momo damit antue, und habe mich geweigert. Schließlich stand ich mit Momo in der Mitte auf dem Reitplatz und habe geweint, während alle anderen um uns herum galoppiert sind.

Meine Reitlehrerin war von meiner Entscheidung natürlich wenig begeistert, aber das war mir egal. Ich wollte Momo nicht mehr weh tun. Danach habe ich bei dieser Reitlehrerin keine Stunden mehr genommen. Darüber bin ich sehr froh. Ein Pferdetrainer, der es legitim findet, ein Pferd mit der Gerte zu traktieren, ist für mich unakzeptabel!«

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Steffi für dieses ehrliche und ausführliche Interview und wünschte mir, es gäbe mehr Menschen, die sich ihre Fehler eingestehen und sich mit ihren Pferden auf einen Weg machen, der von Verständnis, gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist.

Wer möchte, kann »Steffi und Momo« auch auf Instagram► folgen.

Steffi hat übrigens in der Spendenanthologie »Wundervolle Tiere und ihre Welten« (Hrsg. Vera Malissa► und & M. E. Pandura►) eine spannende Geschichte über die Befreiung von Hunden in Not geschrieben.

(Die Fotos in diesem Beitrag hat Steffi zur Verfügung gestellt.)